Brennholzunterstand

stefan.

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Hallo zusammen,


hier möchte ich ein weiteres Projekt dokumentieren, dass ich nach langer Planung im letzten Herbst umgesetzt habe: Meine Eltern haben sich einen Unterstand/Lagerplatz für Brennholz gewünscht. Sie heizen ihr Haus mit einem Scheitholzkessel und brauchen ca. 20 Ster Holz in der Heizperiode. Der grobe Plan war, einen Schuppen mit 10x2 Meter entlang der Garage zu bauen. Die Herausforderung war, dass die Garage in einer leichten Hanglage steht, d.h. es gab auf die 10m Länge ca. 40cm Höhenunterschied. Eine grobe Vorskizze habe ich per Hand gemacht:
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Das Holz stammt aus unserem Wald (z.T. aus Käferbefall) und ich habe es gleich in die passenden Querschnitte sägen lassen: 10x10 für die Steher, 10x12 für die Pfetten, 6x10 für die Sparren und 4x6 Dachlatten. Der Holzeinschlag war dabei im Winter 21/22, d.h. das Holz konnte gut 1,5 Jahre (zwei Sommer) trocknen.
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Als es dann an die Umsetzung ging, hat sich gezeigt dass 10 m Länge einfach nicht zu machen sind, es wäre alles viel zu eng geworden. Außerdem wollten meine Eltern gerne, dass das Dach des Unterstands unter den Dachvorsprung der Garage passt, sodass der Pflasterweg komplett überdacht ist. Dadurch ist der Unterstand einen Meter kürzer und auch ein wenig niedriger geworden.

Los ging es mit den Fundamenten. Erster Schritt war das grobe Anlegen eines Schnurgerüsts. Für die Punktfundamente habe ich einen 150mm Erdbohrer im Baumarkt meines Vertrauens geliehen und ca. 80 cm tief gebohrt. Die oberen 30 cm habe ich dann noch quadratisch nachgestochen und eine kleine Schalung gebastelt. Dadurch stehen die Fundamente etwas über den Boden. Die H-Pfostenanker habe ich dann der Anleitung entsprechend mit "Pfosten- und Fundamentbeton" einbetoniert.
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(Aufgrund der Platzverhältnisse wars gar nicht so leicht, Fotos zu machen.)

Dann ging es an die erste Seitenwand an der niedrigen Seite des Unterstands. Diese Wand habe ich auf dem Boden liegend vorgefertigt und dann aufgestellt. Nachdem die erste Wand stand, habe ich die beiden Pfosten am anderen (tieferen) Ende ausgerichtet und mit einer Schraubzwinge befestigt. Mit einer Schlauchwaage (einfach ein Silikonschlauch gefüllt mit Wasser) habe ich dann das Höhenmaß der oberen Steher übertragen, abgesägt und und die Pfosten verschraubt. Danach habe die Querstreben der hinteren Wand eingepasst und verschraubt. Mit einer Schnur zwischen vorderer und hinterer Wand konnte ich jetzt die restlichen Pfosten in der Mitte ablängen, ausrichten und verschrauben. An der Rückwand des Unterstands wurden ebenfalls Querstreben eingebaut, die Vorderseite bleibt (bis auf die zwei Pfosten) offen.

Die Pfetten sind aus je zwei 4,5m langen Teilstücken in der Mitte gestückelt. Der Statiker meines Vertrauens hat mir bestätigt, dass das so klappt. Verschraubt wurde übrigens alles mit 8x220 Teilgewindeschrauben zum Zusammenziehen und 8x240mm Vollgewindeschrauben zum Verankern.

Der Zwischenstand sah dann so aus wie im ersten Bild. Wie man an dem Bild sieht habe ich auch schon eine diagonale Strebe eingebaut, einfach so lang wie möglich. Das hat mir aber nicht wirklich gefallen, v.a. wäre jede Strebe verschieden lang geworden. Also habe ich alle Reststücke genommen und einfach Kopfbänder mit 45° Winkel auf meiner FKS gesägt und eingesetzt.

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Dann waren die Sparren an der Reihe. An der Rückseite habe ich die Sparren einfach mit der Kreissäge abgeflacht. Die Ausklinkung für die obere Pfette habe ich einfach schnell mit dem Stemmeisen gestemmt. Für die 14 Sparren habe ich einen Vormittag gebraucht. Die Sparren sind mit 6x160 mm Tellerkopfschrauben verschraubt.
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Die Vorderseite des Unterstands ist der Straße bzw. dem Garten zugewandt. Für eine schönere Optik habe ich hier für die Verschalung ein paar Bretter gehobelt, die Kanten begradigt und gefast und anschließend die Vorderseite verschalt. Natürlich mit ausreichend Luft dazwischen, damit das Holz gut trocknen kann.

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Anschließend habe ich die Dachlattung aufgebracht und noch zwei Windrispen zur Aussteifung auf die Unterseite geschraubt. Bevor dann die letzte Dachlatte hinkam habe ich noch die Dachrinne angeschraubt. Das ist einfach eine günstige Kunststoffdachrinne aus dem Baumarkt. Anschließend haben wir auch die Rückseite verschalt. Hier habe ich die Bretter nur grob besäumt und natürlich sägerau belassen. Sieht man später eh nicht mehr, wenn Holz drin lagert.

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So langsam nähern wir uns auch dem Schlusssprint. Die Dacheindeckung erfolgte mit Trapezblech. Das konnte ich als Restposten im Werksverkauf eines Herstellers aus der Gegend beziehen. Für insgesamt 11 Bleche mit 3m Länge (insgesamt 34 m²), 150 Edelstahlschrauben und 150 Kalotten habe ich 475 € bezahlt. Ein fairer Preis, wie ich finde. Einziger Nachteil ist, dass man halt nicht auf Wunschmaß bestellen kann und die Menge auch passen muss.

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Und damit sind wir auch schon am Ende :emoji_slight_smile: Insgesamt war es ein schönes Projekt und mal so ganz anders als Möbel bauen. Wenn man mit sägerauem Bauholz arbeitet, dass immer ein wenig krumm ist, lernt man sehr schnell, wo man genau arbeiten kann und muss und wo es okay ist, mal nicht so genau zu arbeiten. Insgesamt habe ich für das Projekt 9 Samstage gebraucht.

Ein wenig Blut habe ich auch gelassen: Beim ersten Versuch mit der Schlauchwage war ich alleine und dachte mir, ich zwinge das eine Ende der Schlauchwaage mit einer Schraubzwinge an den Pfosten. Die Schraubzwinge konnte ich natürlich nicht ganz zuknallen, war ja ein Silikonschlauch. Nach der Mittagspause habe ich ganz vergessen, dass da noch diese Zwinge ist. Ich wollte dann den Pfosten mit einer paar Hammerschlägen unten am Pfostenanker noch genauer ausrichten. Und zack, ist mir diese blöde Schraubzwinge schon auf den Kopf gefallen. Resultat war eine Platzwunde am Kopf, ein wenig Kleber in der Notaufnahme und 2 Wochen Zwangspause. Gottseidank ist nichts schlimmeres passiert (hatte eine Mütze auf), aber jetzt weiß ich auch warum man Schraubzwingen nicht an vibrierenden Maschinen nutzen soll und warum man auf Baustellen einen Bauhelm tragen sollte.

Im nächsten Post gibts noch ein paar Abschlussfotos.
 

stefan.

ww-kastanie
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So sieht das ganze jetzt mit Dach von unten aus. Man sieht gut, wie das Trapezblech unterhalb des Garagendaches liegt.
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Was noch fehlt ist ein Ortgangbrett für einen sauberen Abschluss. Das mach ich aber erst, wenn's wieder wärmer ist.

Und vor zwei Wochen kam dann das Brennholz rein. Knapp 24 Ster, gespalten an einem Tag :emoji_grin:
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SchweißerSchnitzer

ww-robinie
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Hach.... von sowas träum ich ja...*seufz* :emoji_slight_smile:

(dein Brennholzschuppen ist toll geworden! Schöne Baubeschreibung)
 

Heener

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Sowas überlege ich auch schon länger, um auch Schubkarren und anderes vernünftig unterzustellen.
Ich habe noch viele gebrauchte Trapezbleche auch Alu, die ich dafür nehmen möchte. Das Flies ist nicht schlimm, wenn es fehlt. Man trinkt ja kein Kaffee drunter....
So tief mache ich es nicht, 140cm reicht mir.
Danke für den Input!
 
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